
HIV (Human Immunodeficiency Virus) und die durch den Virus verursachte Krankheit AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome) sind erst seit 20 Jahren bekannt. Das Virus hat sich in kürzester Zeit weltweit ausgebreitet. Statistiken von UNAIDS zufolge sind weltweit 38,6 Millionen Menschen mit HIV infiziert. Im Jahr 2006 gab es 4,1 Millionen Neuinfektionen zu verzeichnen; 2,8 Millionen Menschen starben im Verlauf des Jahres an AIDS. 95 Prozent der Infizierten leben auf dem afrikanischen Kontinent, der von der Pandemie besonders schwer betroffen ist. Die ökonomischen Folgen der Krankheit AIDS bedrohen die Entwicklungsfortschritte gerade der ärmsten Länder. Hinzu kommt, dass Arbeitslosigkeit, Arbeitsmigration und ein geringes Bildungsniveau wiederum die Ausbreitung der Krankheit begünstigen.
Niger gehört zu den Ländern mit einer so genannten Niedrigprävalenz. Die Prävalenz gibt an wieviele Menschen im Alter von 25 bis 49 Jahren mit dem Virus infiziert sind. Der erste AIDS Fall wurde in Niger im Jahr 1987 diagnostiziert und seitdem ist ein stetiger Anstieg der gemeldeten HIV- Infektionen zu verzeichnen. Eine internationale Studie von 2006 spricht von einer HIV/AIDS Prävalenz bei Erwachsenen von 0,7 Prozent.
Das nationale AIDS Programm des Gesundheitsministeriums schätzt, dass zirka sechs Prozent der Bevölkerung im reproduktiven Alter infiziert sind. In manchen Gegenden, wie beispielsweise in Agadez und Tahoua oder um die Goldminen von Koma Bangou, in denen starke Wanderbewegungen vorherrschen, kommt es häufig zu Gelegenheitsprostitution. Diese führt dazu, dass die Infektionsrate bei den Frauen zum Teil bei 25 bis 33% liegt. Niger ist ein muslimisches Land. Die Religion ist im Bezug auf HIV/AIDS in zweierlei Hinsicht relevant: zum einen ist die vom Islam gestattete Polygamie unter allen Ethnien des Landes verbreitet und zum anderen ist das Thema Sexualität mit einem Tabu belegt, so dass es den Menschen schwer fällt über HIV/AIDS zu sprechen. Zwei Drittel der gemeldeten HIV-Infizierten sind verheiratet und mehr als die Hälfte von ihnen ist unter 25 Jahren. Frauen sind in Niger, wie auch weltweit, deutlich häufiger von der Krankheit betroffen als Männer. Die HIV Prävalenz bei schwangeren Frauen ist im Verlauf der letzten Jahre erheblich angestiegen und hat laut verschiedener Studien Werte zwischen fünf und sechs Prozent erreicht. Demzufolge steigt auch die Anzahl der HIV-infizierten Kinder und Schätzungen zufolge sind seit Beginn der Pandemie durch AIDS ca. 33.000 Kinder in Niger zu Halb- oder Vollwaisen geworden.